Vom richtigen Umgang mit Eseln

© Alexandra Rügamer, Bad Mergentheim
Esel sind sehr neugierig und erkunden ihre Umgebung oft minutenlang © Alexandra Rügamer, Bad Mergentheim.

„Einem Pferd befiehlt man 🫡, mit einem Muli diskutiert man 💬, den Esel bittet man 🙏🏻!“ heißt es und da ist was Wahres dran: Wer je versucht hat, einen Esel zu erziehen, wird vielleicht seine liebe Not damit gehabt haben, denn einfach mal so – is‘ nich‘.

Auch hier unterscheidet sich das Langohr in seinem Verhalten mitunter deutlich von seinem Stammesbruder, dem Pferd: Mag man ein Pferd mit mehr oder minder viel Kraftanstrengung 🏋🏻 und gar manch lautmalerischer Unterstützung 📢 wenigstens noch dahin ziehen, wo man nun mal hinmöchte, heißt Zug am Eselhalfter für den Esel: Stehenbleiben🫷🏻 und zwar sofort!

Auch das „Andersrum“ hat keinen Sinn: Wer den Esel liebt, der schiebt, führt meistens zu seinem Gegendruck. Strecke kann man damit jedenfalls nicht gutmachen. Schreien oder gar Gewalt gegen das Tier helfen auch keinen Millimeter weiter, wird sich der Esel nur eher noch darin bestätigt fühlen, dass hier ganz gewaltig was nicht stimmen kann und wird ihn weiter verunsichern 🤔.

Denn Ungewohntes, Neues, fließende Gewässer oder auch ein Wechsel der Bodenoberfläche birgt immer ein gewisses Gefahrenpotential ⚠️, das zunächst ausgelotet und überdacht werden will. Das kann dann eben auch mal dauern ⌛.

Es hat sich deshalb bewährt, bei der Eselerziehung Rituale einzustudieren. Diese müssen geduldig und mit viel Zeit wiederholt werden. Dabei ist vor allem die Ansprache des Eselführers das wirkungsvollste Hilfsmittel🗣️. Anders als beim Pferd kann mit einer entsprechenden Körpersprache beim Esel viel weniger erreicht werden. Bei erfolgreich absolvierter Aufgabe gilt es dem Esel letztlich die eigene (unbändige) Freude 🎉 zu vermitteln, dass der Esel das Gewünschte erbracht hat.

Eselführende müssen mit der Zeit zu Vertrauenspersonen 💞 werden, die bei vermeintlicher Gefahr die Führungsrolle übernehmen und den Esel von der Ungefährlichkeit überzeugen. So wird mit der Zeit das schier undenkbare Rückwärtsrichten oder das Hindernislaufen vielleicht auch möglich sein, denn bei seiner Erziehung lernt der Esel Vertrauen, der Mensch aber Ruhe und Geduld. Fehler des Menschen werden von Eseln 🫏 dabei (fast immer) verziehen und er bleibt (fast immer) ein Menschenfreund🫂.

Quelle:

Plötz P. Erziehung und Umgang mit Eseln. Aus: Tiergestützte Therapie mit Eseln. Vorlesung zum Zertifikatskurs „tiergestützte Dienstleistungsarbeit“. Justus-Liebig-Universität Gießen (21.01.2024)

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Eselfreunde © Sabine Schmidt, Hanau. © Sabine Schmidt, Hanau
Eselhengst beim Deckakt © Puck Plötz, Asinerie Cleeberg
Eselin mit Fohlen © Puck Plötz, Asinerie Cleeberg
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