Inappetenz ist gefährlich
So kann es (lebens)gefährlich werden, wenn ein fetter Esel von jetzt auf gleich das Fressen einstellt und in eine negative Energiebilanz gerät: Hier droht alsbald eine sog. Hyperlipämie, die Entgleisung des Fettstoffwechsels. Denn Hyperlipämie tritt immer dann auf, wenn der Esel nicht genug Energie aufnimmt und Fett aus seinen Speichern im Körper zur Energiegewinnung mobilisiert. Dieser Vorgang läuft dabei oft so rasant, dass das Blut
mit Fetten (sog. Triglyzeride) überschwemmt wird und die Gewebe/Organe gar nicht so viel Kapazität haben, dieses Fett aus dem Blut wieder aufzunehmen.
Was Hyperlipämie begünstigt
Hyperlipämie kann nicht nur das Resultat von Stress, Magen-Darm-Erkrankungen, Wurmbefall, Hufrehe, fieberhaften Infekten usw. sein, sie tritt auch in der Trächtigkeit, bei Stuten mit Saugfohlen bei Fuß oder im Hungerzustand auf. Hyperlipämie kommt beim Esel
viel häufiger vor als bei Ponys und Pferden
und endet in 40-80% der Fälle tödlich
[1, 2]. Aber auch weibliche Tiere
und ältere Esel haben ein größeres Risiko zu erkranken. Eine besondere Rolle im Krankheitsgeschehen spielen Entzündungen im Körper
: Hier werden Botenstoffe frei, die ihrerseits die Hyperlipämie vorantreiben [3].
Merke: Es ist – gerade bei dicken Eseln – besonders wichtig auf die Futteraufnahme zu achten. Ein Esel, der nicht frisst, gibt stets Anlass zur Sorge und muss sofort untersucht werden!
Als weitere Risikofaktoren gelten Hungerzustände, Managementwechsel, Transport, Verlust des Partnertieres, ungeeignete, kohlenhydratreiche Fütterung, unerklärlicher Gewichtsverlust sowie Koliken [3].
Folgen der Hyperlipämie im Körper
Wird das Blut mit Triglyzeriden überschwemmt, sieht man das sogar mit bloßem Auge
: Lässt man eine Blutprobe etwas stehen, setzt sich bald ein milchiger Saum (stark verfettetes Plasma) oben ab. Gleichzeitig werden aber auch die inneren Organe – besonders die Leber, aber auch Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm, Herz
und die Muskulatur
– mit Fett durchdrängt, was zu deren Beeinträchtigung und einem Funktionsverlust [1] (letztlich zu Organversagen [3]) führt. Stresshormone wie das Kortisol aber auch Adrenalin und Noradrenalin befeuern diesen Vorgang umso mehr. Auch Insulin, ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, spielt bei der Hyperlipämie eine große Rolle: Fette Esel haben einen gestörten Hormonkreislauf, bei dem die Wirkung des Insulins stark herabgesetzt ist. Sie sind „Insulin-resistent“. Dies führt wiederum dazu, dass mehr Fette mobilisiert und ins Blut freigesetzt werden [3].
Symptome der Hyperlipämie
Die Symptome der Hyperlipämie sind ganz unspezifisch. Betroffene Esel sind apathisch und matt, haben keinen Appetit
. Sie fressen erst wenig, schließlich gar nicht mehr [1-3]. Auch kann die Darmtätigkeit herabgesetzt sein. Die Tiere äppeln nicht mehr und wenn, ist der Kot
meist sehr trocken und die Äpfel kleiner als sonst. Manche Esel haben Mundgeruch [3].
Achtung ! Esel sind sog. „Scheinfresser“ (Sham-Eater). Sie nehmen Futter auf, kauen darauf herum, schlucken es letztendlich aber nicht ab. Sieht man nicht genau hin, kann man leicht den Eindruck bekommen, dass der Esel Futter aufnehmen würde [3].
Es ist also wichtig, sofort den Tierarzt zu rufen. Neben der Untersuchung des Esels wird eine Blutprobe
genommen, um einen ersten Anfangsverdacht zu überprüfen. Liegt eine Hyperlipämie vor, wird eine erhöhte Triglyzeridkonzentration festgestellt.
Behandlung der Hyperlipämie
Therapeutisch muss versucht werden, die zugrundeliegende Ursache abzustellen, die zur Inappetenz des Esels geführt hat. Dies kann für alle Beteiligten herausfordernd sein. Weiterer Stress ist unter allen Umständen zu vermeiden.
Der Esel muss mit hochwertigen und hochenergetischen Futtermitteln versorgt werden. Honig
, Melasse, fettes Gras können angeboten werden. Appetitanregend wirken z.B. Äpfel
, Karotten
, Bananen
oder auch Minze
und Obstsäfte
[3]. Ggf. werden die (zerkleinerten Futtermittel) mit einer Sonde über die Nase und die Speiseröhre in den Magen verabreicht. Hierüber können auch Zuckerlösungen eingegeben werden. Ist das nicht möglich, helfen Infusionen mit Zuckerlösungen und Aminosäuren [1-3].
Medikamente , die bei einer Hyperlipidämie unterstützend wirken können, sind Insulin (wirkt regulierend auf den Energiestoffwechsel ein) und Vitamin B3. Auch manche Sedativa und Heparin helfen, gehören aber nicht in die Hand des Besitzers, sondern müssen durch den Tierarzt verabreicht werden [1].
Begleitend werden Magenschoner eingesetzt, da hyperlipämische Esel zu Magengeschwüren neigen – besonders dann, wenn die Grunderkrankung mit Schmerzen verbunden ist, die über lange Zeit mit Schmerzmitteln behandelt werden muss. Diese Mittel wirken sich oft negativ auf die Magenschleimhaut aus und führen schlimmstenfalls zum Magengeschwür [3].
Merke: Vorsorgen ist besser als behandeln! Esel sollten niemals zu fettgefüttert werden, um die Entstehung von Hyperlipämie nicht zu begünstigen. Es muss stets auf einen guten Gesundheitszustand geachtet werden. Das schließt eine regelmäßige Entwurmung , Impfungen
, regelmäßige Huf-
und Zahnkontrollen
mit ein [3].
Quellen:
[1] May A. Hyperlipämie/ Hyperlipidämie. In: Gehlen H, Schwarz B. Esel- und Maultiererkrankungen. Thieme Verlag Stuttgart. 1. Auflage 2025. 223-227
[2] Mendoza FJ, Toribio RE, Perez-Ecija A. Metabolic and Endocrine Insights in Donkeys. Animals 2024. 14: 590. DOI: https://doi.org/10.3390/ani14040590
[3] The Donkey Sanctuary. 7. Hyperlipaemia. In: The clinical companion of the donkey. The Donkey Sanktuary (Hrsg.) 2. Aufl. Hobbs the printers, Hampshire (UK); 2021: 98-104


