Hufrehe beim Esel

Querschnitt durch die Zehe eines Esels mit hochgradiger Hufrehe. © Puck Plötz, Asinerie Cleeberg

Hufrehe kommt beim Esel sehr häufig vor und ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Über die Ursachen, Entstehung und Therapie dieses gefürchteten und sehr schmerzhaften Leidens lesen Sie im folgenden Beitrag.

Namensgebung und Wesen

Hufrehe („rae“, althochdeutscher Begriff für „steif“) ist eine akut bis chronisch verlaufende Erkrankung der Hufe, die leichte bis hochgradige Schmerzen beim Esel auslöst. Es kommt wie beim Pferd auch zur Entzündung der sog. Huflederhaut, die durch die Entzündungsvorgänge oft irreversibel geschädigt wird [1, 2].

Ursachen für Hufrehe

Eine Einteilung erfolgt bei Eseln (und Pferden) häufig aufgrund ihrer Ursachen: Die Fütterungsrehe 🌾wird durch eine zu Kohlehydratreiche Kost 🍬 🍭 🍨, die endokrinologische Rehe durch Hormonstörungen (bei der Cushing-Erkrankung oder dem Metabolischen Syndrom), die Systemische oder Endotoxische Rehe durch Infektionskrankheiten 🤒 oder Nachgeburtsverhalten, die Vergiftungsrehe 💀 bei Vergiftungen und die Traumatische oder Belastungsrehe durch zu kurzes Ausschneiden oder eine lange Belastung 🥵 auf hartem Grund hervorgerufen [1, 2]. Auch Stress kann beim Esel zur Entstehung einer Hufrehe führen [1].

Anatomie des Eselhufs 🫏

Ihnen allen ist gemein, dass sie über kurz oder lang zu einer Entzündung der Huflederhaut führen. Die Lederhaut ist fest mit der sog. Oberhaut des Hufes verbunden, gleichwohl aber auch mit dem knöchernen Huf- und Teilen des Kronbeins 🦴. Lederhaut und Oberhaut bilden den sog. Hufbeinträger, der die knöchernen Anteile (Huf- und Kronbein) fest mit den Weichteilgeweben des Hufs verzahnt [2].

Symptome bei Hufrehe

Die genannten Ursachen führen zu einer (massiven) Entzündung der Lederhaut, was den Hufbeinträger zu schwächen und lockern beginnt [2]. Dabei treten akut folgende Symptome auf [1-3]:

  • Häufiges Hinlegen
  • Kurzer, steifer Gang mit Trippelschritten
  • Aufsuchen von weichem Boden beim Laufen
  • Verlagerung des Gewichts von einem auf das andere Bein (bei Pferden oft deutlicher ausgeprägt) oder auch auf die gesamte Hinterhand
  • Wendeschmerz
  • Warme Hufe
  • Pulsation an der Fesselinnenseite
  • (seltener: Druckschmerz bei der Zangenprobe)
  • Lethargie [1]

Bald stellt sich durch die Loslösung des Hufbeinträgers eine Hufbeinrotation oder schlimmer noch die gefürchtete Hufbeinsenkung ein. Im schlimmsten Fall kommt es zum Verlust der gesamten Hornkapsel (Ausschuhen). Die Prognose ist hierbei denkbar schlecht.

Besonders problematisch ist, dass viele Esel aufgrund ihres stoischen Verhaltens und ihres Wesens keine Symptome zeigen und die Rehe oft unentdeckt bleibt [1, 4]

Die chronische Hufrehe ist dagegen gekennzeichnet von der Ausbildung von querverlaufenden „divergierenden“ Hornringen. Diese werden von vorne (Zehenteil) über die Wand zu den Trachten hin breiter (Bedenke: Futterringe verlaufen nahezu parallel waagrecht über den Huf).

Auch entwickelt sich ein sog. Schnabelhuf. Hier ist die Zehenspitze wie ein Schnabel nach vorn oben gebogen [1, 2]. Solch chronisch veränderte Hufe neigen immer wieder zu Hufabszessen.

Hufrehe ist ein Notfall!

Wenn Hufrehe beim Esel vermutet wird, ist Eile geboten. Die Hufrehe stellt einen absoluten Notfall da [1]:

  • Der Tierarzt muss sofort verständigt werden.
  • Den Esel sofort weich, auf tiefe Einstreu aufstallen.
  • Den Zugang zu kohlehydratreicher Kost sofort unterbinden.
  • Die Beine des Esels mit kalten Umschlägen kühlen.

Therapie von Hufrehe

Der Tierarzt verabreicht nach einer ersten Untersuchung i.d.R. Entzündungshemmer/Schmerzmittel 💉💊. Es ist ratsam, Röntgenbilder 🩻, zumindest von beiden Vorderfüßen anfertigen zu lassen [3]. Durch das Anbringen verschiedener Markierungen können im Röntgenbild entsprechende Messungen 📐 am Hufbein vorgenommen werden, die helfen, die Schwere der Erkrankung und damit die Prognose einzuschätzen (s. Abb.).

Abb. Aufnahme einer linken Eselzehe mit entsprechenden Markern. Das Hufbein ist deutlich rotiert. © Susanne Pichon, Eibelstadt

Therapiemaßnahmen

Je nach Stadium und Ausprägung wird als erstes die Hufsohle unterstützt. Hierzu kann der Huf weich gepolstert verbunden werden, evtl. werden Keile unter den Trachten angebracht.

Der kranke Esel darf keinesfalls zu energiereiche Kost erhalten – Äpfel 🍎, Karotten 🥕, Brot 🥖, Kraftfutter (Hafer, Müsli etc.) 🌾und Leckerlis 🍬 sind genauso verboten wie frisches, fettes Gras. Dies gilt auch für die Zukunft: ⚠️ Vorsicht mit stärkereichen Futtermitteln für Esel, die bereits an einer Hufrehe erkrankt waren oder die generell schon übergewichtig sind!

Grundleiden wie das Metabolische Syndrom oder auch die Pituitary Pars Indermedia Dysfunction (PPID, früher Cushing-Erkrankung) sollten schnellsten labordiagnostisch abgeklärt werden. Sie lösen häufig Hufrehe aus und müssen therapiert werden, um weitere Reheschübe zu vermeiden.

Auch auf eine gute Hufpflege, gerade bei bereits erkrankten Tieren, die ein schnelleres Hornwachstum aufweisen und durch die mangelnde Qualität des Horns immer wieder zu Hufabszessen neigen, ist generell zu achten.

Zusammenfassung und Fazit

Die Rehe ist beim Esel eine gefürchtete Erkrankung, die viel Schmerzen und Leid mit sich bringt und für die es häufig keine Rettung gibt. Weil die Veränderungen im Huf (Rotation und Senkung des Hufbeins durch irreversible Schädigung der Huflederhaut) nicht mehr umkehrbar sind, erkranken betroffene Tiere immer wieder an Hufrehe – mit zunehmend schlechterer Prognose.

Merke 👆🏻:         Hufrehe ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die häufig zum Verlust des Tieres führt. Ihre Behandlung gehört in professionelle Hände. Je schneller der an Rehe erkrankte Esel eine adäquate, fachgerechte Therapie erhält, desto größer sind die Heilungschancen!

Quellen:

[1] The Donkey Sanctuary. Laminitis in Donkeys. For owners. Owners. The Donkey Sanctuary 20.05.2021. https://www.thedonkeysanctuary.org.uk/for-owners/owners-resources/laminitis-in-donkeys

[2] Brehm W, Hagen J. Hufrehe – aseptische (diffuse) Huflederhautentzündung. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B (Hrsg.). Handbuch Pferdepraxis. Krankheiten des Bewegungsapparats. Krankheiten der distalen Gliedmaße. 4. Aufl. Enke Verlag, Stuttgart (2016): 1059-67

[3] Cavalleri J, Drozdzewska K, Franzen V et al. Hufrehe und schmerzhafte chronische Hufprobleme. In: Gehlen H, Schwarz B. (Hrsg.). Esel und Maultierkrankheiten. Notfälle und Intensivmedizin. Festliegen. Thieme Verlag, Stuttgart (2025): 288-9

[4] Gehlen H, Schwarz B. Vermehrtes Liegen, Bewegungsunlust, Lahmheit. In: Gehlen H, Schwarz B. (Hrsg.). Esel und Maultierkrankheiten. Leitsymptome. Thieme Verlag, Stuttgart (2025): 137

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