Was bei der Haltung von Eseln zu beachten ist

Abb. Kopfverletzung eines Poitoueselhengstes durch Tritt. © Puck Plötz, Cleeberg
Abb. Kopfverletzung eines Poitoueselhengstes durch Tritt. © Puck Plötz, Cleeberg

Männlein ♂️ oder Weiblein ♀️ – Esel ist Esel… oder doch nicht? Die Haltung von Eseln kann herausfordernd sein und bedarf einiger Erfahrung und viel Wissen. Worauf es bei der artgerechten Haltung ankommt, so dass Esel sich maximal wohlfühlen können, lesen Sie im Folgenden.

Äußere Umstände bestimmen die Lebensweise

Anders als Pferde leben wilde Esel nicht in großen Herden, sondern gehen, wenn die Paarungszeit vorüber ist, vorwiegend paarweise oder ganz selten (zumeist am Lebensende) allein durchs Leben. Dies hängt mit dem oft nur spärlichen Nahrungsangebot ihres Lebensraums zusammen 🏜️ [1]. Daneben existieren locker strukturierte Stuten- oder Junggesellengruppen, wenn es die Umgebung durch ein entsprechend gutes Futter- und Wasserangebot zulässt [2]. Die Gruppengröße kann hier 20 [3] bis 50 [2] Tiere betragen.

Vorsicht bei erwachsenen Hengsten

Das territoriale und damit zumeist aggressive Verhalten von Eselhengsten 🫏♂️ dagegen macht sie zu temporären Einzelgängern. Ausnahme hiervon stellt die Paarungszeit dar. Anders als Pferde gelten Eselhengste als besonders standorttreu und verteidigen ihr Revier durch z.T. schwere Kämpfe mit Konkurrenten gewissenhaft. Dies muss deshalb auch für die Haltung von domestizierten Eselhengsten gelten: ⚠️ Es dürfen nie zwei erwachsene Eselhengste gemeinsam gehalten werden, da dies zu schweren Verletzungen führen kann ❗ [2, 3]. Hinzu kommt, dass sie von jetzt auf gleich (etwa zu Beginn der Paarungszeit) ihr Verhalten ändern können: Aus dem zahmsten und liebsten Eselhengst kann ein Esel werden, der sogar seinen Besitzer angreift, um seine Stuten zu verteidigen [1]. Für die Haltung von Eselhengsten ist daher viel Fachwissen 🤓 📖 und noch viel mehr Erfahrung erforderlich und gehört nicht in Anfängerhände!

Auch Eselstuten 🫏♀️ können sprunghaftes, von ihrem Zyklus abhängiges Verhalten zeigen. Sie sind dabei weniger aggressiv, oft aber unfreundlicher als sonst [1], wodurch ebenfalls Vorsicht im Umgang mit ihnen geboten ist.

Gruppenhaltung für Junghengste und Stuten

Junghengste, die allmählich ihre Geschlechtsreife erreichen, werden dagegen bald von den Revierhengsten aus der Herde vertrieben. Sie schließen sich in sog. Junggesellengruppen zusammen, wo sie spielerisch lernen, um ihre künftigen Reviere zu kämpfen [3].

Es ist daher ein Fehler, Stuten und Junghengste (also im Gegensatz zu erwachsenen, erwachsenen Hengsten) alleine zu halten. Gleiches kann auch für Eselwallache gelten: Auch sie sollten eigentlich zusammengehalten werden [3]. Eine Ausnahme hiervon stellen mitunter sehr spät kastrierte Eselwallache dar, die entsprechendes Hengstverhalten bereits erlernt haben: Auch hier kann es schwierig sein, besonders hengstige und somit aggressive Wallache zusammen zu halten [1].

Enge Bindung und Freundschaft

Mutter und Kind 🫏 🍼 dagegen bilden nach abgeschlossener Prägephase, die einen halben bis zwei Tage dauern kann [3], außerordentlich enge Verbindungen [2, 3], die durch die Geburt des Folgefohlens jäh beendet wird [2]. Zeit ihres Lebens erkennen Mutter und Kind einander, auch wenn sie jahrelang voneinander getrennt waren [3]. Ähnlich wie Pferde zeigen Eselhengste Aggressionen gegen Fohlen – besonders dann, wenn es nicht ihre eigenen Fohlen sind [1]. Infantizide sind anekdotisch beschrieben.

Aber auch untereinander können domestizierte Esel enge Partner- oder Freundschaften 💕 bilden [1, 2]. Dies ist dann wichtig zu bedenken, wenn eines der Tiere z.B. für eine Untersuchung oder Therapie in eine Klinik gebracht werden muss: ⚠️ Das Partnertier muss unter allen Umständen mitgenommen werden ❗

Kein Status und kein Rang

Eselgruppen – bestehen sie nun aus Hengsten, Stuten oder seien sie gemischtgeschlechtlich – ist eines gemein: Sie haben keine Rangordnung [3]. Dies verringert in domestizierter Haltung das erforderliche Fressplatzangebot und macht Rangordnungskämpfe in reinen Eselherden unwahrscheinlich. Auch ist der Platzbedarf für das den einzelnen Esel etwas geringer bemessen als der von Pferden [3].

Merke!    Auch hier zeigt sich abermals: Ein Esel ist kein kleines Pferd. Die Haltungsansprüche, die für Pferde gelten, sollten niemals 1:1 auf die von Eseln übertragen werden.

Quellen:  

[1]          The Donkey Sanctuary. Donkey stallions, mares and geldings. What are the differences in donkey stallions, mares and geldings? 24.04.2023. https://www.thedonkeysanctuary.org.uk/articles/what-are-the-differences-in-donkey-stallions-mares-and-geldings

[2]          Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Empfehlungen zur Haltung von Eseln. 2. Aufl. 22.07.2019. file:///D:/Daten/Download/Haltungsempfehlungen_Esel_20230203.pdf

[3]          Plötz P. Ethologie des Esels. Proceedings: Vorlesung an der Justus-Liebig-Universität zu Gießen. Sommersemester 2024

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