Au Backe, mein Zahn

© Nanna Hüttel, Nürnberg

Der Esel 🫏 ist perfekt an seine ursprünglichen Lebensbedingungen an der Wüste 🏜️ angepasst. So hat sich im Laufe einer langen Evolution das Gebiss der Tiere so entwickelt, dass es auch aus den faserreichsten und energieärmsten Pflanzen noch Energie gewinnen kann. Dabei unterscheidet es sich maßgeblich vom Gebiss von Pferden oder Ponys.

Vorsicht beim Zähneraspeln

Ein mancher Esel weist eine stark geschwungene Backenzahnlinie (die sog. „Curve of spee“) auf. Sie ist eseltypisch und sollte bei der Zahnbearbeitung 🦷 keinesfalls begradigt werden. Wie bei Pferd und Pony passen die Oberkiefer- und Unterkieferbackenzähne nicht deckungsgleich aufeinander. Der Oberkiefer überragt den Unterkiefer deutlich nach außen, also zur Backenseite hin. Dadurch wird die Kaufläche zum Zermahlen des Futters automatisch viel größer. Auch hier sollte nicht zu viel weggeraspelt werden.

Esel in der Zahnbehandlung. © Nanna Hüttel, Nürnberg

Zahnschmerzen werden nicht erkannt

Esel sind große Helden und Meister darin, Schmerzen und Leiden zu vertuschen. Viele, gerade ältere Tiere leiden deshalb oft unbemerkt an schweren Zahnerkrankungen, welche sehr schmerzhaft sein können ⚡. Auch wegen ihres stoischen Verhaltens (🔗 Ein Esel kennt kein‘ Schmerz) zeigen sie diese aber nicht und somit bleiben Probleme in der Maulhöhle oft unerkannt 🤫. Auch müssen Esel mit Zahnproblemen nicht unbedingt eine schlechte Körperkondition aufweisen oder gar abgemagert sein.

Esel im Alltag beobachten

Die Beobachtung 🔭 des Esels beim Kauen ist besonders wertvoll, da sie erste Hinweise darauf geben, ob mit dem Esel alles in Ordnung ist. Sie sollte so oft wie möglich im Umgang mit den Tieren erfolgen. Am besten wird der Esel in seiner gewohnten Umgebung beiläufig immer dann beobachtet 🥸, wenn er sein Futter frisst.

Beobachte hierfür den Mahlschlag des Esels:

  • Kaut er rund und mit großen Ausschlägen der beiden Kiefer gegeneinander?
  • Kannst du knirschen, klappern oder andere komischen Geräusche hören?
  • Reißt er das Maul auf und fällt ihm Futter heraus oder schluckt er alles ab?

Und auch ein Blick ans andere Ende kann wichtig sein:

  • Wie sehen die Eseläpfel aus?
  • Sind lange Fasern darin oder ist alles kleinfaserig und gut verdaut?

Esel sind später dran

Prinzipiell gilt das Alter von Geburt bis zum 5. Lebensjahr was das Gebiss betrifft, als sehr dynamische Zeit: Nach und nach werden alle Milchzähne gewechselt und zwar gut 2-6 Monate später als das bei Pferden der Fall ist. Vorsicht ist geboten, wenn vermeintlich zu lange bestehende Milchkappen (das sind Milchzähne, die den bleibenden Zähnen noch anhaften), gezogen werden sollen, dies kann zu Verletzungen führen!

Kontrolle von Maulhöhle und Gebiss 📆

Im Alter von 5-15 Jahren ist das Eselgebiss sehr stabil und es verändert sich nicht so stark. Ab einem Alter von 15 Jahren dagegen verändern sich die Zähne und es kann sein, dass sich auch andere Grunderkrankungen auf das Gebiss auswirken. Praxistipp: Lasse bei deinem Esel die Zähne und Maulhöhle routinemäßig, d.h. 1x jährlich untersuchen, denn ein gesundes Gebiss trägt maßgeblich zu seinem Wohlergehen bei

Quelle:   The Donkey Sanctuary. 2. The Head and Oral Cavity. In: The clinical companion of the donkey. The Donkey Sanktuary (Hrsg.) 2. Aufl. Hobbs the printers, Hampshire (UK); 2021: 28-35

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